Salzwasser als Treibstoff – das ist wirklich dran

0
640

Salzwasser als Treibstoff. „Dieses Auto wird mit Salzwasser angetrieben: 920PS, schafft 350km/h und hat EU Zulassung.“ Ein Beitrag mit diesen Headlines wird seit Monaten in den Sozialen Netzwerken geteilt. Kann das stimmen? Klar, stimmen kann alles. Aber schauen wir uns das ganze doch mal näher an. Zunächst die Quelle. Der immer wieder geteilte Artikel stammt von eine Schweizer Seite namens Claudiograf.ch Nun muss man wissen dass die Seite dafür bekannt ist, Fake News zu produzieren oder ein wenig an der Wahrheit zu drehen. Wusstet ihr das es Masern-Viren nicht gibt? Auch will Europa uns unterjochen, wir sind Sklaven ohne Ketten, Volkssouveränität wurde abgeschafft und so weiter und so weiter. Hier mal ein Screenshot der Seite.

Also begann ich, mit sehr viel Skepsis, den Artikel über das Salzwasser Auto zu lesen. Laut dem Artikel ist es die Alternative, welche schon lange publik gemacht sein sollte. Schon der zweite Satz beginnt mit „Elitärer Scheiß von Windrädern und E-Mobil, dem Missbrauch junger Menschen , Schüler und Kinder wie Greta Thunberg, CO2 Lüge, Klimalüge und so weiter. Tut mir leid, aber Artikel die so eingeleitet werden sind Zeitverschwendung.

Also schauen wir uns mal genauer an was das Auto eigentlich kann und lassen diesen Artikel hinter uns.

Es geht um eine Fahrzeug namens Quant. Dieses wird vom Elektroauto Start-Up nanoFlowcell gebaut. nanoFlocell baut, angeblich, Verschiedene Auto Modelle, die mit einem neuartigen Energiesystem daher kommen. Diese Fahrzeuge sollen in 2,8 Sekunden auf 100km/h beschleunigen, die maximale Höchstgeschwindigkeit liegt bei über 380km/h. Die Reichweite dieser Fahrzeuge soll 400-600 km betragen. Die Technik dahinter liegt in der sogenannten Flusszelle. Bereits in den siebziger Jahren ließ sich die NASA die Technologie der Flusszelle patentieren. Der Große Durchbruch ist bisher ausgeblieben. Der Grund ist die, angeblich, zu geringe Energiedichte der Elektrolyte im Salzwasser. nanoFlocell gibt an, die Flusszelle auf Größe eines Aktenkoffers reduziert zu haben. Außerdem soll die Energiedichte der Elektrolyte im Wasser verzehnfacht worden sein. Innerhalb dieser Flusszelle findet eine so genannte kalte Verbrennung statt. Ein chemischer Vorgang innerhalb der Flusszellen setzt Energie frei. Diese Energie wird in Strom umgewandelt. Dieser Strom kann zum Antrieb eines Autos genutzt werden. Bei einer kalten Verbrennung entsteht kaum Hitze so dass auch keine Abgase entstehen. Möchte man so ein Auto auftanken ist lediglich der Austausch der Elektrolytflüssigkeit im Tank nötig. Das dauert, laut nanoFlocell, nur 4 Minuten und ist deutlich günstiger als das aufladen von Elektromotoren. Der Akku eines konventionellen Elektroautos hält etwa 1000 Ladezyklen durch. Die Flusszelle soll 10.000 Ladezyklen durchhalten ohne einen Leistungsverlust zu erleiden. Auch die Herstellung dieses Flusszellen-Akkus oder der Elektrolytlösung ist umweltfreundlich. Es werden keine Metalle, seltenen Erden oder Edelmetalle verwendet. Das alles hört sich in der Theorie wundervoll an. Das ganze hat nur einen Haken.




Der Haken ist der Gründer von nanoFlowcell, Nunzio La Vecchia. Im Jahr 2009 war er der Star auf dem Genfer Automobil Salon. Dort stellte er ein Modell-Auto vor. Dieses sollte mit Solar Strom fahren. Dieser Solar Strom sollte aus einer unglaublich effizienten Megasuper Solarzelle stammen. Diese sollte in der Herstellung sehr günstig sein und wie Lack auf das Fahrzeug aufgetragen werden. Mit dieser Solarzelle sollten angeblich Reichweiten von 500 km zurückgelegt werden können. Diese Megasuper Solarzelle sollte der der Höhepunkt von Nunzios Arbeitsleben darstellen. Er hat, nach eigener Aussage, Jahre über Jahre mit dem Autodikdaktischen Studium der Photovoltaik beschäftigt. Nun war er auf dem genfer Autosalon um Investoren für seine Megasuper Solar Zelle zu finden.

Eine Schweizer Multimillionären hat insgesamt 39 Millionen sfr. in sein Unternehmen investiert. Dazu noch 2 Grundstücke. Nach einiger Zeit kamen ihr Zweifel und sie wollte ihr Geld und ihre Grundstücke wieder zurück haben. Den Prozess wegen Betruges hat sie dann in erster Instanz verloren. Nicht weil die Richter Nunzio geglaubt haben. Sondern weil die Richter der Meinung waren, dass diese Idee so verrückt ist, dass man selber schuld hat, wenn man dort Geld investiert.

Wer als geschäftserfahrener Investor trotz der sich geradezu aufdrängen Hinweise auf einen Fehlenden Gegenwert dennoch einen Kauf vornehmen, ohne entsprechende Abklärung zu tätigen, wird nicht in arglistiger Art und Weise getäuscht.

Die Investorin ging in Berufung, und im zweiten Durchgang, vor dem Zivilgericht erhielt sie ein paar Millionen und ihre beiden Grundstücke zurück.

Nunzio ist laut eigener Aussage, Physiker und Autodidakt. Außerdem führt er einen Doktortitel, unbekannten Fachgebietes, dessen Herkunft er nicht offen legen will. Nunzio La Vecchia besitzt einige Patente, zumeist im Energiebereich. Im Kreise der Wissenschaft fanden seine Patente keine nennenswerte Beachtung. Auch gibt es keine nachprüfbaren Demonstration oder erwerbbare Produkte. Diese super Solarzelle ist ebenfalls nie produziert worden. Er hat die Prototypen, angeblich auf Druck der Autoindustrie zerstören müssen.

Kommen wir mal zum Ausgang des Artikels. Gibt es einen Super Sportwagen der Salzwasser als Treibstoff nutzt? Auch wenn dubiose Blogs und Internetseiten darüber berichten dass ein Quantino, ein Automodell welches von nanoFlowcell gebaut wird, angeblich die 150.000 km Marke in einem Dauertest erreicht hat, weiß niemand womit dieser Wagen betrieben wird. Auf mich wirkt dieses ganze Unterfangen wie ein so genannter Honeypot. Es geht um nichts anderes als Investoren zu finden die bereit sind in deine Idee zu investieren. Status Quo heute, im April 2019. Nein, diesen Supersportwagen scheint es so nicht zu geben Übrigens, einer der ersten Artikel das dieses Auto Quatsch ist, erschien 2014. Bis heute hat sich nichts geändert. Derzeit such Nunzio übrigens Grundstücke. bis 500.000 qm um dort seine Produktionsstadt zu bauen. Wer Fläche übrig hat, kann sich ja bei ihm melden.

Markus

Kommunikationsberater bei Dreiknopfmedia
Nerd, Kaufmann, Geek, Soziologe, Vater, Entwickler, Musiker, Eisliebhaber, Programmierer, Designer, Fussballverrückt, Kommunikator, Gründer, Radfahrer, Unternehmer, Popcorn
Markus

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei