Elektroroller – Risiken und Chancen

0
372

Jetzt sollen also auch diese Elektroroller bei uns in Deutschland zugelassen werden. Derzeit wird, in den Medien und der Öffentlichkeit, sehr kritisch über die Elektroroller berichtet. Wir wollen hier mal alle Fakten aufzeigen, die Probleme die bisher bekannt sind besprechen und Lösungsansätze bieten. Elektroroller Risiken und Chancen ausloten.

Elektroroller Risiken

Die meisten davon treten allerdings nur in Großstädten und Ballungsgebieten auf. Es wird in der Öffentlichkeit sehr stark über ein erhöhtes Unfallrisiko gesprochen. Welches völlig natürlich ist, wenn ein neues Verkehrsmittel, in eine nicht dafür ausgelegte Infrastruktur tritt.

Eine strikte Trennung der Verkehrsteilnehmer ist wichtig. Fußgänger benötigen ihren Bereich ebenso wie Kraftfahrzeuge. Elektroroller sollten nur auf den Fahrradwegen unterwegs sein. Genauso ist es jetzt geplant. Nun kann ich nur für Hamburg sprechen, aber hier ist die Infrastruktur der Fahrradwege, mittlerweile, annehmbar. Wir haben viele sogenannte Velorouten. Velorouten sind Autobahnen für Radfahrer. Diese sind breit ausgebaut und ziehen sich durch die ganze Stadt. Auf solch einer Veloroute kann man relativ schnell und sicher, getrennt von allen übrigen Verkehrsteilnehmern, mit ausreichend Platz sein Ziel erreichen. Dieses Veloroutennetz muss noch deutlich verlängert und ausgebaut werden. Hier können Elektroroller gefahrenlos fahren.





Allerdings ist damit die Unfallgefahr nicht gebannt. Wir dürfen nicht vergessen, Elektroroller sind langsam. In der Höchstgeschwindigkeit schaffen sie 20 km/h. Um das in Relationen zu setzen, wer mit einem Elektroroller einen Marathon fährt, wird gegen einen Weltklasseläufer verlieren. Und zwar deutlich. Jeder Mensch, der regelmäßig mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, wird schneller sein, als jemand der mit einem Elektroroller fährt. Diese Elektroroller, in Massen auftretend, können durchaus ein Verkehrshindernis sein. Denken wir nur an die stumpfen „Rechte Spur Fahrer“ auf der Autobahn. Wir werden, gerade im morgendlichen Berufsverkehr, mehr Rücksicht walten lassen müssen. Eine weitere Möglichkeit wäre es, sehr massiv in diese Fahrrad-Straßen zu investieren. Dieses würde aber zulasten der Autofahrer gehen. Ich weiß aus Gesprächen mit der Politik, dass die sich häufig scheuen den Autofahrer noch mehr an den Rand zu drängen. Zumeist aus Angst vor den nächsten Wahlen.

Nun möchte ich für eine Stadt wie Hamburg zu bedenken geben, die meisten Autofahrer die unsere Hauptstraßen verstopfen, gerade im Berufsverkehr, sind keine Hamburger. Es sind Menschen aus dem Umland die pendeln. Die Menschen die mit dem Fahrrad oder Elektroroller zur Arbeit fahren, Leben in Hamburg. Die Hamburger Politik sollte sich also zunächst um die Hamburger kümmern. Ähnlich sieht es in den meisten Großstädten aus. Deshalb ist ein massiver Ausbau der Fahrrad- Schnellstraßen umgänglich.

Unfallrisiko

Reden wir mal über die Auswirkungen des erhöhten Unfallrisikos.
Elektroroller dürfen ohne Führerschein und ohne Helm bewegt werden. Es gibt Elektroroller mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von maximal 12 km/h. Diese dürfen auch von Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren bewegt werden. Schnellere Elektroroller mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von zwölf bis maximal 20 Stunden Kilometer dürfen ab 14 Jahren gefahren werden. Oh je wird der ein oder andere Leser denken. 12 und 14-jährige die im Stadtverkehr mit Elektrorollern unterwegs sind. Das kann nur im Chaos enden. Bei 12 km/h reden wir von einer Geschwindigkeit die langsamen Laufen ähnelt. Ähnlich sieht es aus mit der Höchstgeschwindigkeit bis 20 km/h. Warum sollten jugendliche nicht mit einem Roller 20 km/h fahren dürfen? Sie dürfen ja auch 40 km/h mit dem Rennrad fahren. Wenn das Alter ein problem ist, dann sollten wir damit beginnen, 85-Jährigen ihre 500 PS SUVs wegzunehmen. Oder zumindest eine verpflichtende Fahrtüchtigeitsuntersuchung in Jährlichen Abständen einführen.




Ich denke nicht, dass sich die Zahl der schweren Verletzung drastisch erhöhen wird. Im Bereich des Fahrrades wird seit einigen Jahren über die Einführung einer allgemein Helmpflicht gesprochen. Bis vor wenigen Wochen stand dich diesem Thema relativ offen gegenüber. Nun möchte ich eine kurze Geschichte aus meinem privaten Umfeld erzählen. Ein Bekannter von mir war abends auf dem Weg zu einem Konzert. Normalerweise trägt er immer einen Fahrradhelm. An diesem Abend allerdings nicht. Wie es denn so kommt, hatte er genau an jenem Abend einen schweren Unfall. Das Vorderrad blockierte und er ist vorwärts über den Lenker, bergab geflogen. Die Folge, mehrfache Brüche im Arm, mehrere Zähne verloren, Kiefer einseitig komplett gebrochen. Er wurde ins BWK eingeliefert da es dort Spezialisten für diese Art von Verletzungen gibt.

Der behandelnde Chirurg sagte ihm auf den Kopf zu, dass er keinen Helm getragen hat. Mit Helm wäre er vermutlich verstorben. Dann ein Fahrradhelm hilft sehr gut bei Aufschlägen mit dem Kopf auf einem feststehenden Gegenstand. Zum Beispiel die Motorhaube eines Autos. Wenn man allerdings vom Fahrrad fällt ohne, dass ein Gegenstand den Flug bremst, ist die Gefahr eines Genickbruches, durch den Helm, sehr groß. Wenn man ein Fahrradhelm trägt und mit dem Kopf sehr schnell nach hinten fliegt, bremst der Helm, die hintere Kante des Helms, die Dehnung des Genicks. Die Kraft musst dennoch irgendwohin. Also bricht das Genick. Helfen soll hier einer dieser Fahrrad-Airbags. Kann man sich hier mal anschauen.

Soweit ein kleiner Einwurf aus privater Seite. Wie dem auch sei, eine Helmpflicht einzuführen bei einem Gefährt das maximal 20 Stunden Kilometer schnell fährt halte ich für albern. Jeder ambitionierte Jogger müsste dann ebenfalls einen Helm tragen, da er in ähnlicher Geschwindigkeit unterwegs ist. Blödes beispiel, weiß ich selber. Trotzdem, denkt da mal drüber nach.

Versicherung

Das ist sinnvoll. Laut der Elektroroller Verordnung ist eine Versicherungspflicht vorgesehen. Elektroroller sollen eine Versicherungsplakette tragen. Diese soll ähnlich aussehen wie das altbekannten Mofa Kennzeichen. Nur deutlich kleiner. Sie wird wahrscheinlich als Aufkleber am Rahmen befestigt werden. Die Versicherungspflicht finde ich sinnvoll. Denn wir haben es immerhin mit einem, wen auch schwach, motorisierten, Fahrzeug zu tun. Wir dürfen nicht vergessen, dass man ein Mofa mit 25 km/h Höchstgeschwindigkeit, ohne Führerschein bewegen darf. Einzig eine sogenannte Prüfbescheinigung muss mitgeführt werden. Allerdings muss auch dieses Mofa, Versicherungstechnisch erfasst werden. Genauso sollten wir es mit dem Elektroroller machen. So ein Kennzeichen sorgt dafür, dass eine gewisse Ernsthaftigkeit vom Halter abverlangt wird. Auch ist der Selbst und Fremdschutz durch so eine Versicherung deutlich erhöht. Besonders rabiate Verkehrsteilnehmer kann man durch solch ein Kennzeichen ausfindig machen.

Umweltfreundlichkeit

Der Elektroroller wird das Auto-Mobil nicht ablösen. Es kann sogar in die andere Richtung gehen. Strecken die bisher mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurückgelegt wurden könnten demnächst mit dem Elektroroller zurückgelegt werden. Die Energie eines Elektrorollers stammt aus einem Akku. Dieser Akku muss geladen werden. D.h. der Energiebedarf wird steigen.

Ein weiteres, sehr großes Thema ist die Herstellung dieser Akkus. Über die Akkus habe ich bereits hier und hier geschrieben. Wie man sehen kann eine sehr zwiespältige Geschichte. Die meisten Zahlen und Fakten die, gerade in Diskussion mit Elektroskeptikern, immer wieder genannt werden sind falsch.

Richtig ist, dass so ein Elektroroller eben nicht klimaneutral fährt. Und ja, auch ich kann mir gut vorstellen, Strecken die ich bisher mit dem Fahrrad zurückgelegt habe, in Zukunft mit dem Elektroroller zurückzulegen. Warum? Weil ich, tagsüber, mit dem Elektroroller oder Fahrrad einfach schneller bin als mit dem Auto. Bisher war es so, wenn ich einen Termin hatte, bin ich dort mit dem Rad hingefahren. Der letzte Sommer, zumindest in Hamburg, bedeutete fast vier Monate Trockenheit und starke Hitze. D. h. ich hatte nicht nur mein Laptop und meine Arbeitsutensilien dabei. Auch Wechselklamotten, da ich mich beinah vor jedem Termin noch mal umziehen musste. Denn wenn man mit dem Fahrrad dorthin fährt, ist man komplett verschwitzt. Mit dem Auto kann ich diese Termine aber nicht wahrnehmen. Da ich nur die Hälfte dieser Termine schaffen würde aufgrund der Standzeit in den Hamburger Staus.




Der Elektroroller wäre eine fantastische Alternative. Allerdings verschlechtert sich dadurch meine persönliche CO2 Bilanz massiv. Das will ich gar nicht verhehlen. Hier haben die Elektroroller Skeptiker absolut einen Punkt. Ich bin aber ein schlechtes Beispiel. Da ich beinahe jede Strecke, bisher, mit dem Fahrrad zurücklege. Einfach weil ich in einer sehr verkehrsintensiven Gegend lebe. Wir wissen aus anderen Städten, in denen Elektroroller bereits eingeführt wurden, dass auch viele Menschen auf dieses Gefährt zurückgreifen, die ansonsten für kurze Strecken das Auto nehmen würden. Und wenn sich meine persönliche CO2 Bilanz durch das Nutzen eines Elektrorollers deutlich verschlechtert. So verbessert sie sich doch massenhaft, wenn Autofahrer ihre Kraftfahrzeuge stehen lassen. Deshalb würde ich den Umwelttechniken Aspekt dieser Roller immer noch positiv sehen. Auch wenn wir die negativen Punkte nicht aus den Augen lassen dürfen.

Ja, es gibt natürlich Bedenken gegen die Einführung dieser Elektroroller. Über die Chance der Mikromobilität habe ich hier allerdings so gut wie gar nicht geschrieben. Ich sehe darin eine Riesenchance. Denn Mikromobilität kann dafür sorgen, den Verkehr in unseren Städten wirklich zu entlasten. Und dies ist nur der erste Schritt. Das endgültige Ziel sollte natürlich sein die Städte so autofrei wie möglich zu machen. Der Elektroroller kann ein Teil der Lösung sein. Ausgebaute Velostrecken, Öffentlicher Nahverkehr, Microbeförderungssysteme. Für die kommenden Generationen wird das völlig normal sein von. Von A nach B zu fahren. Mit dem Auto fahren wir nie von A nach B. Wir fahren mit dem Auto von A nach A und parken bei B. Diese Mikromobilität kann dafür sorgen, dass wir wirklich Strecken und nicht nur Kreise zurücklegen.

Markus

Kommunikationsberater bei Dreiknopfmedia
Nerd, Kaufmann, Geek, Soziologe, Vater, Entwickler, Musiker, Eisliebhaber, Programmierer, Designer, Fussballverrückt, Kommunikator, Gründer, Radfahrer, Unternehmer, Popcorn
Markus

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei