Elektroautos und die Gefahren von Brand oder Explosion. Was ist da dran?

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Im Juni 2017 hatte Richard Hammond einen schweren Unfall. Richard Hammond, ehemaliges Top Gear, heutiges Grand Tour Mitglied hat während eines Bergrennen in der Schweiz die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren. Stürzte einen Abhang hinab, überschlug sich diverse Male und blieb schließlich auf dem Dach liegen. Das Fahrzeug, ein Rimac_one, brannte nach dem Unfall für fünf Tage.

Immer wieder hört man in Gesprächen und Diskussionen, dass die Elektroautos rollende Bomben sind. Sie leicht explodieren und brennen. Das Feuer sei nicht zu löschen. Der Akku beginnt sogar noch Tage nach dem Unfall sich selbst zu entzünden. Aber stimmt das überhaupt?

Als Erstes werfen wir mal einen Blick auf die Zahlen. Pro Jahr brennen rund 15.000 Autos auf Deutschlands Straßen. Wenn man kleine Schäden wie Schmorbrände hinzuzählt, brennen 40.000 Fahrzeuge pro Jahr in Deutschland. Die häufigste Ursache ist die Folge eines technischen Defekts wie schadhafte Kabel. Eine weitere Brandursache sind Bremsen, die bei längeren Bergab-Fahrten überhitzen oder Zwillingsreifen beim LKW. Es gibt sehr viele Brandursachen. Wie sieht das ganze nun beim Elektroauto aus?




Zunächst einmal muss man sich davon lösen, dass ein Akku brennt. Zumindest nicht so wie wir uns das vorstellen mit Meter hohen Flammen. Wenn man bei einem Akku vom „Brand“ spricht, ist damit der Zerfall einer Zelle mit einer sich daraus resultierenden enormen Hitzeentwicklung gemeint.

Ein Akku besteht aus mehreren Zellen. Einer der größten Akkus ist im Tesla Model S verbaut. Der 85 kWh Akku besteht aus insgesamt 7104 Zellen. Brennen bedeutet in diesem Fall das eine Zelle beginnt im Inneren zu zerfallen und sich dabei sehr stark zu erwärmen. Die dabei auftretende Hitze sorgt dafür, dass sich die nächste Zelle anfängt zu erwärmen und so weiter. Deshalb dauert es Tage bist so ein Akku “ausgebrannt” ist.

Es ist also ein sehr langsames Feuer. In keiner Art und Weise zu vergleichen mit Benzin. Man kann sich ja mal den Spaß machen und in einen 60 l Tank Benzin ein Streichholz reinwerfen. Diesen Effekt wird man bei einem Elektroauto nicht erreichen.

Aber warum ist dann der Rimac_one von Richard Hammond komplett ausgebrannt. Das liegt zum Teil an den verwendeten Materialien des Fahrzeuges. Es bestand aus Carbon. Dieses, in der Sportwagen Welt, sehr beliebte Material besteht aus einzelnen, sehr stabilen Fasern. Diese werden mit Kleber zusammengehalten. Dieser Kleber brennt, bei starker Hitze, recht gut. Weiterhin besteht der Innenraum eines Fahrzeuges zu großen Teilen aus Kunststoff. Auch diese bieten einen hervorragenden Brandbeschleuniger.

Anders als ein Benzinfahrzeug explodiert so ein Elektroauto nicht oder nur unter seltensten Umständen. Richard Hammond ist mit seinem Fahrzeug 100 m weit geflogen hat sich dabei mehrfach überschlagen. Er konnte dennoch lebend aus seinem Fahrzeug geborgen werden. Er hatte einige schwere Verletzung, an den Beinen. Ansonsten ist nicht viel passiert. Das lag auch daran, dass die Retter ihn aus dem Fahrzeug ziehen konnten. Wenn es sich dabei um ein Benziner gehandelt hätte, mehrfacher Überschlag Benzin und Öle wären ausgetreten. Das Fahrzeug wäre explodiert. Richard Hammond wäre wahrscheinlich nicht mit dem Leben davon gekommen.






Aber warum genau begann der Rimac One, für ein Elektroauto, so schnell zu brennen? Kann genau das nicht auch bei normalen Elektroautos passieren? Richard Hammond ist ein Bergrennen in einem Supercar gefahren. Der Rimac One beschleunigt von 0-100 km/h in 2,5 Sekunden. Er ist die Strecke 5x gefahren. Hat das Fahrzeug bis ans äußerste getrieben. Der Rimac One hat einen 100 kWh Akku verbaut. Zum Vergleich, der VW e-Up besitzt einen 19kwh großen Akku. Der riesige Akku des Rimac One erzeugt eine sehr große Hitze. Damit das gesamte System mit seiner Wärmeerzeugung zurechtkommt, sind Ölkühler vorgesehen, die alle thermischen Probleme rund um die Permanentmagnetmotoren bewältigen, von denen der Rimac vier hat. Diese Motoren befinden sich auch in jedem Rad. Wenn ihr euch nun mit einem Rimac One den Berg runterfallt, euch dabei mehrfach überschlagt und die Räder abbrechen, tritt Öl auf eine Menge sehr heißer elektrischer Leitungen aus. Dies ist aller Wahrscheinlichkeit nach das, was Hammonds Auto nach seinem Unfall entzündet hat. So ein Unfall sollte bei einem normalen Elektroauto nicht vorkommen.

Ein weiterer Punkt der nach Unfällen mit Elektroautos immer wieder angesprochen wird ist das Problem, dass die Retter nicht wissen wie sie einen eingeklemmten Menschen aus einem Fahrzeug befreien sollen. Es fließt ein hoher Strom durch dieses Elektrofahrzeug. Wo soll man also mit dem hydraulischen Rettungsgerät ansetzen?

Peter Welz, Beamter bei der Berufsfeuerwehr Frankfurt am Main und dort auf seiner Wache in seiner Wachabteilung für die Ausbildung zuständig, erklärt dass die Rettungskräfte schon heute, bei konventionellen Fahrzeugen auf dieses Problem treffen. Wenn man sich einen zehn Jahre alten Golf TDI als Gebrauchtwagen zulegt, erwirbt man ein Fahrzeug welches über diverse Airbags verfügt. Bei modernen Fahrzeugen sind es noch viel mehr. Stellen wir uns vor wir setzen das Schneidwerkzeug an der A-Säule an und beschädigen dabei eine der „Sprengkapseln“ und ein Airbag wird ausgelöst. Schwerwiegende Verletzung für den Insassen aber auch für den Feuerwehrmann können die Folge sein. Um so etwas zu verhindern wurden die Rettungskarten entwickelt, in denen sämtliche wichtigen Details zu einem Fahrzeugtyp aufgeführt sind. Diese Rettungskarten kann sich jeder z.B. beim ADAC herunterladen an der Sonnenblende auf der Fahrerseite hinterlegen. Auch die Feuerwehr hat Zugriff auf diese Rettungskarten.

Selbstverständlich auch von Elektroautos. Dort wird genau aufgezeigt wo die hydraulischen Rettungsgeräte angesetzt werden können ohne eine Gefahr auszulösen. Darüber hinaus gibt es in einem Elektrofahrzeug verschiedene Mechanismen, die die Stromzufuhr bei einem Aufprall unterbrechen und die Kondensatoren entlädt.




Das sehr langsam brennen der Batterien sorgt übrigens dafür dass die Insassen in einem Elektroauto zumindest vom Feuer deutlich länger verschont bleiben als beim herkömmlichen Benziner. Auch das Risiko einer plötzlichen Explosion ist deutlich geringer. Wie löscht die Feuerwehr nun solch einen „Brand“ – Es benötigt deutlich mehr Wasser, da die lang anhaltende Hitzeentwicklung unterbunden werden muss und das gelingt nur mit viel Wasser.

Verschiedene Feuerwehren versenken solche brennden Elektrofahrzeuge in riesigen Containern, die mit Wasser gefüllt sind und das so lange, bis der Zerfall der Zellen beendet ist.

Der ADAC hat diverse Testreihen mit Elektrofahrzeugen durchgeführt. Das Folgende Fazit zieht der ADAC nachdem verschiedenste Elektrofahrzeuge getestet wurden.

Keines der aktuellen Elektroautos ist bislang bei einem Crashtest negativ aufgefallen. Im Vergleich mit herkömmlich angetriebenen Pkw ist die Sicherheit von Elektroautos wegen der optimierten Crashstruktur im Fahrzeug sogar oft besser.

Abschließend können wir festhalten. Elektroautos sind nicht gefährlicher als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Wir sind es halt gewohnt das wir mit einem hoch entzündlichen Gemisch Namens Benzin durch die Straßen fahren. Im Vergleich zu herkömmlichen verbrennen scheinen Elektroautos tatsächlich, deutlich ungefährlicher zu sein. In der „Art“ des Feuers sowie als Gefahr für Umstehende Fahrzeuge.

Markus

Kommunikationsberater bei Dreiknopfmedia
Nerd, Kaufmann, Geek, Soziologe, Vater, Entwickler, Musiker, Eisliebhaber, Programmierer, Designer, Fussballverrückt, Kommunikator, Gründer, Radfahrer, Unternehmer, Popcorn
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Raimund Stapelfeldt
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Raimund Stapelfeldt

Verbrenner explodieren nur in Filmen. Wenn man ein Streichholz in Benzin wirft, erlöscht dieser. Was bei Benzin brennt, sind die Gase.