Der Bau eines Akkus erzeugt 17 Tonnen CO2 – stimmt das?

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Akkus für Elektroautos sind die wahren Klimakiller, stimmt das? Generell habe ich hier schon einmal darüber geschrieben. In letzter Zeit liest und hört man immer wieder von angeblichen 17 Tonnen CO2 den so ein Akku in der Produktion verschlingt.  CO2 Emission, die bei der Produktion von Akkus für Elektroautos anfallen, sind ein gutes Beispiel dafür, um aufzuzeigen wie Falsche Behauptungen in Umlauf gebracht werden. Ich möchte hier kurz erläutern wie es zu solchen Fehlinformationen kommen kann. Vorweg, häufig handelt es sich um falsch interpretiere Zahlen. Aber es gibt auch Menschen und Medien die falsche Zahlen absichtlich nutzen um eine gesellschaftliche Diskussion in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Ein Beispiel für solche Fehlinterpretationen ist folgende Aussage, Akkus für Elektroautos sind die wahren Klimakiller. Weil in der Herstellung unglaublich viel CO2 erzeugt wird. Ein einzelner Akku für ein Elektroauto soll für über 17 Tonnen CO2 verantwortlich sein. Das soll aus einer Studie des schwedischen Umwelt Forschungsministerium IVL hervorgehen.

Um den Spaß schon mal vorweg zu nehmen. Diese Zahl ist falsch. Sehr falsch. Dennoch wird diese Zahl immer wieder in sozialen Netzen geteilt. In Diskussionen und Gesprächen, mit Elektro Mobilitäts Skeptikern, wir diese Zahl ebenfalls genannt, um den Elektromotor gegen einen Verbrennungsmotor abzuwerten. Ein weiterer, sehr eindrücklicher Satz wurde in diesem Zuge immer wieder veröffentlicht. „Damit sich ein Elektro-Auto von der Größe eines Tesla Model S ökologisch rechnet muss man 8 Jahre damit fahren.“




Doch wie kann so etwas passieren? Machen uns mal auf die Suche. Und Beginn tun wir ganz vorne. Denn diese Zahl von 17 Tonnen CO2 taucht in der so genannten Schweden Studie des IVL, von Mia Romare und Lisbeth Dahlhöf, nicht auf. Diese Zahl stammt aus Berechnungen des IVL Wissenschaftlers Mats Ola Larson.  Dort kommt Larson auf eine CO2 Bilanz von 170 Kg  pro Kilowattstunde Kapazität, bei der Produktion eines Elektro Auto Akkus.

Nun kommt ein schwedischer Journalist ins Spiel. Johann Kristensson. Er hat diese Zahlen genommen und auf den größten, zu dem Zeitpunkt, auslieferbaren Akku eines Elektroautos umgerechnet. Ein Akku mit einer Kapazität von 100 kWh, ausgehend von 170 kg CO2 pro Kilowattstunde, erzeugt also die 17 Tonnen CO2 in der Herstellung. Er hat diese Zahl in einem Artikel, der in dem Magazin Ny Teknik publiziert wurde, verwendet. Nun ging es alles ganz einfach.

Im Rahmen einer Kooperation, hat das Magazin „Ingenioren“ den Artikel von Ny Teknik übernommen. Von Ingenioren gelangt der Artikel, durch den Journalisten Jon Thulstrup, zu dem Portal nordschleswiger.dk Diese wiederum haben eine Kooperation mit der Schleswig-Holstein-Zeitung. Diese hat den Artikel, ins deutsche übersetzt, veröffentlicht. Von dort gelangt der Artikel zu Spotpress. Einer Motor Agentur. Diese hat eine Kooperationen mit dem Springer Verlag (Welt) sowie dem Burda Verlag (Focus). Nachdem Welt und Focus diese Zahlen veröffentlicht haben, wurde auch eine große Öffentlichkeit aufmerksam. Neben dieser Zahl, 17 Tonnen CO2, wurde nun folgender, ebenfalls sehr prägnanter Satz veröffentlicht. „Damit sich ein Elektro-Auto von der Größe eines Tesla Model S ökologisch rechnet muss man acht Jahre damit fahren.“ – Da dieser Satz auf falschen Berechnungen beruht, ist er ebenfalls falsch. Aber das ist in der öffentlichen Diskussion natürlich egal.

Denn 17 Tonnen CO2 und 8 Jahre muss man einen Tesla fahren damit er so ökologisch ist wie ein Benziner, sind nur schwer aus den Köpfen zu bekommen.

Beginnen wir mal mit den Berechnungen von Mats Ola Larson. Auf diesen Berechnungen steht ja die ganze Argumentationskette. Die Berechnungen sind nicht ganz korrekt. Oder anders ausgedrückt, die Berechnung ist in teilen falsch, da er von falschen Werten ausgeht und in teilen, nur auf Schweden anzuwenden. Aber auch hier, mal von vorne.

  1. In Schweden besteht der Kraftstoff zu 1/5 aus Ökokraftstoffen. Diese sind nicht in die Berechnung eingeflossen.
  2. Larson hat, wie in Schweden üblich, die Hybrid Fahrzeuge, mit zu den Verbrennern gerechnet. Was deren Durchschnittsemissionen deutlich senkt.
  3. Larson hat zur Berechnung einen Durchschnittswert genommen der in der Schwedenstudie veröffentlicht wurde. Nur, in der Schwedenstudie wurde von sehr großen Fahrzeugen ausgegangen. Ein 65 kWh Akku im Tesla erzeugt, logischerweise, deutlich mehr CO2 in der Herstellung als ein 18,7 kWh Akku im VW E-Up.

So kommt Larson auf die 170-180 kg CO2. Realistische Studien sehen diesen wert deutlich niedriger. Das Institut für Energie- und Umweltforschung (IFEU) kommt in seiner Studie auf 125 kg- CO2. Teslas Gigafactory wird beinahe zu 100% mit Regenerativer Energie betrieben. So das die CO2 Emissionen für den Bau eines Akkus bei Tesla, auf 71 Kilogramm gesenkt werden können.




Weiterhin gilt für jedes Land ein anderer Strommix. In Deutschland besteht der Strom, derzeit, zu 48% aus Regenerativer Energie. So das die schwedischen Zahlen nicht übernommen werden können. Dennoch haben Welt und Focus genau das gemacht.

Johann Kristensson, der den ursprünglichen Artikel geschrieben hat, sieht es übrigens ähnlich. Zwar steht er weiterhin zu dem Inhalt und seinen Berechnungen. Er wollte allerdings nur der Öffentlichkeit zeigen was im extremsten Fall passieren kann. Gegenüber EDISON erklärte er,

„Viele interpretierten die Studie leider so, dass die Ergebnisse direkt auf eine Tesla-Batterie anwendbar seien – aber das ist falsch. Und in meinem Artikel habe ich auch klar geschrieben, dass dies nicht geht“ … „Einen großen Vorteil haben E-Autos nämlich. Sie haben das Potenzial, ihren CO2-Fußabdruck viel substanzieller zu senken, als das Fahrzeuge, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, jemals könnten. Sie sind damit eine Antwort auf eine der größten Herausforderungen unserer Zeit, den Klimawandel.“ 

Ein weiteres Beispiel. Als einer der wenigen Akku-Hersteller hat LG seine Produktion wissenschaftlich untersuchen lassen. Und zwar die Akkus des Ford Focus Electric. LG baut diese Akkus für Ford. Der Wissenschaftler Kim Hyong Chul hat seine Studie hier publiziert. Dort hat er einen Wert von 140 Kilogramm CO2 pro Kilowattstunde Speicherkapazität errechnet. Der Akku des Ford Focus Electric war 24 kWh groß. So das wir von 3,2 Tonnen CO2 bei der Herstellung des Akkus ausgehen müssen. Zum Vergleich, ein Benziner mit 7l Verbrauch auf 100 Km benötigt für dieselbe Menge CO2 knapp 20.000 Km. PKWs legen in Deutschland, nach Statistischem Mittel, 13.000 Km im Jahr zurück. So das jeder Benziner, nach wenigen Monaten diesen CO2 Rückstand aufgeholt hat und die nächsten Jahre deutlich dreckiger unterwegs ist als ein Elektro Auto.

Also, abschließend. Die 17 Tonnen CO2 sind genauso Falsch, wie die Annahme das man 8 Jahre sein Elektromobil fahren muss um den CO2 Rucksack wieder aufzuholen. Elektroautos benötigen, je nach Größe, wenige Monate um Klimafreundlicher unterwegs zu sein als ein Verbrenner.

 

Markus

Kommunikationsberater bei Dreiknopfmedia
Nerd, Kaufmann, Geek, Soziologe, Vater, Entwickler, Musiker, Eisliebhaber, Programmierer, Designer, Fussballverrückt, Kommunikator, Gründer, Radfahrer, Unternehmer, Popcorn
Markus

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