Das Aufladen eines Elektro Autos dauert lange – Stimmt das?

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Einer der größten Nachteile des Elektroautos ist das Aufladen. Es dauert ewig. Kein Vergleich zu einem Auto mit Verbrennungsmotor. Doch stimmt das wirklich? Was ist wirklich dran an den Mythen des Aufladens? Wie viel wertvolle Lebenszeit verschwenden wir an Elektrostationen während wir in Schnee und Regen darauf warten das E-Auto aufgeladen ist?

Benzin gibt es an jeder Ecke, das Zapfen dauert 3 Minuten. Ein Tesla mit Elektrosaft zu versorgen ist hingegen eine Herausforderung…

so schrieb die Welt in einem Artikel vom 24.5.2017. Aber stimmt es heute noch?

An die Tankstelle gefahren, Tankdeckel auf, Tankrüssel rein, Tankdeckel zu und an die Kasse und bezahlen. Dieser Vorgang dauert 3 Minuten. Kein Vergleich zu den Stunden warten muss, bis ein Elektroauto aufgeladen ist. Den Vorgang des Tankens so zu beschreiben ist natürlich recht putzig. Und trifft, zumindest auf eine Stadt wie Hamburg zu, wenn man Sonntag Abend um 23:00 Uhr an die Tankstelle fährt. An einem Freitagnachmittag gegen 15:00 Uhr, an die Jet um die Ecke, verlängert sich die Zeit von 3 Minuten auf locker 15 Minuten. Die Zeit, die man an der Zapfsäule verbringt, bleibt dieselbe. Man muss allerdings warten da sich die Fahrzeuge bis auf die Straße stauen. Wenn man dann zur Kasse geht, hat man ebenfalls 5-6 Kunden vor sich.

Dennoch, 15 Minuten fürs tanken von Benzin sind kein Vergleich zu den Stunden die man warten muss bis man einen Tesla voll geladen hat.

Moment, Stunden? Das gehört in die Vergangenheit. Wir müssen hier natürlich auf die unterschiedlichen Modelle und die Größe der verbauten Akkus eingehen. Ein 65 kWh Akku im Tesla benötigt länger zum Aufladen als ein 18,7 kWh Akku im VW E-Up.

Einen Tesla Model S, seit 2012 auf dem Markt, wird an einer Super Charger Zapfsäule in 36 Minuten voll geladen. Vor einem Monat hat Tesla die neueste Generation der Super Charger, den V3 präsentiert. Diese neue Ladestation lädt mit 250 kW auf. Das bedeutet, man tankt in 5 Minuten die Reichweite von 120 km. In 15 Minuten hat man fast 400 km im Akku.

Aber all das sind nur Spielereien. Versuchen wir mal ehrlich zu sein. Wer fährt sein Auto komplett leer und tankt es dann komplett voll. Außendienstler, der normale Autofahrer? Selten bis nie. Die Wahrheit sieht doch so aus, wir sehen, dass der Sprit gerade besonders günstig ist, und tanken dann 20 l oder 30 l dazu.

Genauso verhält es sich beim Elektro Auto. Niemand fährt seinen Wagen komplett leer. Wann immer man Zeit hat, lädt man den Wagen zwischendurch auf. Dazu bieten sich die mittlerweile sehr viele Ladestationen an die überall herum stehen. Zumindest in den Großstädten und Ballungsgebieten ist die Lade Infrastruktur gut ausgebaut. Man fährt zum IKEA, um einzukaufen. Beinahe jeder IKEA in Deutschland besitzt mittlerweile Schnelllade Stationen. Während man dort Teelichter und Servietten kauft, wird das Auto aufgeladen. Aber nicht nur beim Ikea, Aldi, Lidl, Kaufland, jeder neu gebaute Supermarkt verfügt heutzutage über Ladestation für Elektroautos.

Genau das ist das Thema. Elektroautos lädt man immer mal wieder auf. Kaum ein Mensch wird an eine Elektrostation fahren und dort 1 Stunde warten bis das Auto aufgeladen ist. Das passiert nebenbei, während man andere Dinge erledigen kann.

Auch die Reichweite ist ein Thema. Ich komme mit einem Elektroauto ja nicht sehr weit und muss deshalb ständig nachtanken und das kostet Zeit. Nein, das ist ebenfalls eine falsche Annahme von Skeptikern. In Deutschland pendeln die meisten Menschen 17 km zur Arbeit. Das sind 34 km Arbeitsweg am Tag. Ein Tesla mit einer Reichweite von 500 km müsste man also alle 10-12 Tage aufladen. Wenn er dann auf Null gefahren wurde. In Wahrheit reicht es aus, das Fahrzeug während man einkauft oder im Café, im Kino, Restaurant, sitzt, zwischendurch an einer Ladestation zu laden.




Bewohner von Großstädten oder Ballungsgebieten haben darüber hinaus deutlich kürzere Arbeitswege. Selbst wenn sie die Strecke von 6-8 km mit dem Auto zurücklegen. Einen Tesla müsste man dann einmal im Monat komplett voll laden. Ein VW E-Up dagegen alle 10-20 Tage.

Natürlich gibt es Nachteile. Wer mit seinem E-Up von Flensburg nach Sizilien in den Urlaub fährt, wird nicht umhinkommen mindestens 20-mal sein Fahrzeug aufzuladen. D. h. Wir können 10-15h Stand und Wartezeit nur für das Aufladen einplanen. Nur, wer mit seinem VW Up 2800 km in den Urlaub fahren möchte, sollte sich überlegen, ob dies das richtige Fahrzeug für ihn ist. Es wäre übrigens genauso widersinnig mit der Familie, zwei Erwachsene zwei Kinder, zu versuchen mit einen Porsche GT3 in den Urlaub zu fahren. Das Tanken geht schneller, ich benötige nur 1/3 der Zeit aber die beiden Kinder bekomme ich nicht mit und das Gepäck ebenfalls nicht.

Abschließend, das Aufladen eines Elektrofahrzeuges dauert natürlich länger als das Tanken eines konventionellen Fahrzeuges mit Verbrennungsmotor. Aber nur wenn man gezielt zum Aufladen fährt. Sobald man das Aufladen in seine tägliche Routine mit einbaut, wird man feststellen, man merkt es gar nicht mehr. Man hat das Gefühl, das Fahrzeug ist praktisch niemals leer. Und das ist der Stand heute. Ein Smartphone benötigte vor 4 Jahren noch 120 Minuten um den Akku vollzumachen. Heute laden wir ein Oppo in 30 Minuten komplett voll. Die Entwicklung geht immer weiter.

Markus

Kommunikationsberater bei Dreiknopfmedia
Nerd, Kaufmann, Geek, Soziologe, Vater, Entwickler, Musiker, Eisliebhaber, Programmierer, Designer, Fussballverrückt, Kommunikator, Gründer, Radfahrer, Unternehmer, Popcorn
Markus

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